Die Spezifikation ASD 2000 M (kurz: ASD SPEC 2000M) standardisiert Geschäftsprozesse für den Informationsaustausch zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Sie ist entstanden aus den Bedürfnissen der Luftfahrtindustrie, ist aber erweitert und damit anwendungsfähig auf alle Projekte vergleichbarer Art. Charakteristisch für entsprechende Vorhaben sind in der Regel die sehr langen Lieferzeiten einerseits und die just-in-time-Services andererseits.
ASD ist das Akronym für “AeroSpace and Defence Industries Association of Europa”. Diese Organisation ist aus der „Association Européenne des Constructeurs de Matériel Aérospatial (AECMA)“ hervorgegangen, so dass für die von der ASD gepflegten Standards auch heute noch der Begriff AECMA SPEC geläufig ist, in diesem Falle also der Name AECMA SPEC 2000 M. Die Anwendung und Umsetzung der ASD SPEC 2000 M trägt wesentlich zur Optimierung der Geschäftsprozesse und damit zur wirtschaftlicheren Durchführung von Logistikprozessen bei.
Aufgrund wachsender technischer wie finanzieller Komplexität der Projekte ist der Bereich der Entwicklung und Ersatzteilversorgung von Luftfahrzeugen in den letzten Jahrzehnten durch einen Zwang zur Kooperation geprägt. Dies gilt sowohl auf industrieller Seite, als auch – zumindest bei militärischen Projekten – auf der Seite der beschaffenden Nationen.
Aufgrund der mit den Projekten wechselnden Zusammensetzung sowohl auf Auftragnehmer- wie auch auf Auftraggeberseite erfolgte die Definition von Geschäftsprozessen und Informationsformaten für die Beschaffung und Bewirtschaftung von Luftfahrzeugen zunächst individuell, i. e. projektspezifisch.
Diese Vorgehensweise führte durch die jeweils erforderlichen Neufestlegungen für jedes Projekt zu hohem Aufwand an Zeit und Geld.
Aufgrund knapper werdender Ressourcen war dieser Aufwand nicht länger finanzierbar. Nur durch einen grundlegenden Standard, auf dessen Basis projektspezifische Details definiert werden, sind Grossprojekte finanziell wie terminlich noch durchführbar. Im Bereich der (militärischen) Luftfahrtzeugentwicklung und –beschaffung macht ein solcher Standard nur auf multinationaler – d. h. zunächst auf europäischer – Ebene Sinn.
Dieser Einsicht folgte eine mehrjährige Arbeit auf europäischer Ebene: Von den europäischen Luftfahrtnationen (u.a. England, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Niederlande, Schweden) wurde unter paritätischer Beteiligung der Industrieseite und der nationalen Luftwaffen die Spezifikation AECMA (heute: ASD) SPEC 2000 M entwickelt.
Dieser Standard definiert grundlegende Geschäftsprozesse und Informationsformate für die Bereiche
- Initial Provisioning (Technische Grundlagen für die Ersatzteil-Erstbevorratung)
- Procurement Planning (Versorgungsplanung, Anfragen/Angebote, Preislisten)
- Order Administration (Auftragsabwicklung)
- Invoicing (Rechnungslegung)
Das erste vollständig auf der Basis dieses Standards durchgeführte Projekt ist die Beschaffung des EuroFighters (EF 2000) durch die Nationen England, Deutschland, Italien und Spanien.
Aufgrund eines Memorandum of Understanding zwischen den Nationen, alle zukünftigen multinationalen Vorhaben nach ASD SPEC 2000 M durchzuführen, kommt die ASD SPEC 2000 M weiter in den Projekten TIGER, NH90 und A400 M zu Anwendung.
Die Vorteile einer standardisierten Vorgehensweise sind darüber hinaus auch für rein nationale Vorhaben unstrittig und führen zu einer konsequenten Anwendung des Standards: Firmen und Institutionen, die an Projekten mitarbeiten wollen, müssen als Vorbedingung ihre “SPEC-Fähigkeit” nachweisen.
Dabei ist die Luftfahrtindustrie im Zeichen der Globalisierung und Rationalisierung lediglich ein Vorreiter: In der Automobilindustrie zum Beispiel hat man auf gleiche Probleme mit vergleichbaren Ansätzen reagiert.
Mit der Vereinbarung zur Anwendung eines Standards sind die Probleme jedoch nur theoretisch gelöst, praktisch beginnen sie damit erst:
Aufgrund der angestrebten Allgemeingültigkeit müssen Regelwerke wie die SPEC 2000 M einen relativ hohen Abstraktionsgrad haben. Eine projektspezifisch sinnvolle Teilmenge an Daten und Funktionen ist zu definieren. Andererseits treffen übergeordnete Standards in der Praxis auf gewachsene logistische Informationssysteme oder Defacto-Softwarestandards, wie beispielsweise SAP-Systeme, in die sie integriert werden müssen.
Die eigentliche Herausforderung besteht also darin, einen Logistik- oder IT-Standard in der Praxis mit geringstmöglichem Aufwand und höchstmöglicher Effizienz nutzbar zu machen.
Leistungsspektrum
Mitarbeiter der KESS DV-Beratung GmbH haben als Berater der deutschen Luftwaffe von Beginn an an der Entwicklung der ASD SPEC 2000 M und an der Erarbeitung projektspezischer Anwendungsregeln für die genannten Waffensysteme mitgearbeitet. Darüber hinaus haben sie das DV-Verfahren für die Umsetzung des Standards im Logistischen Informationssystem der Luftwaffe konzipiert und realisiert.
Für das übergeordnete, multinationale Verfahren der NATO Beschaffungsagentur NETMA, das Enhanced Procurement System (EPS) haben sie im Rahmen des internationalen Projektmanagements die nationalen Anteile für Konzeption und Qualitätssicherung durchgeführt.
Vergleichbare Erfahrung ist nicht leicht zu finden.
Wir beraten und schulen Sie individuell im Umfeld der ASD SPEC 2000 M, unser Schwerpunkt liegt dabei auf den Bereichen Procurement Planning und Order Administration.
Eine ausführliche Darstellung unserer Erfahrung und unseres Leistungsspektrum zum Thema ASD SPec 2000M finden Sie in unserem Downloadbereich in der Rubrik Standards & Best Practice.
